Das künstliche Kniegelenk
 
Einleitung:
Der Ersatz des Kniegelenkes durch ein künstliches Gelenk ist nach dem Hüftgelenksersatz der zweithäufigste große Eingriff am Stütz- und Bewegungsapparat. Auch dabei ist die Zahl der insgesamt durchgeführten Eingriffe in den letzten Jahren enorm steigend. Die ersten künstlichen Kniegelenke wurden in Österreich Ende der siebziger Jahre implantiert. Seit dem Beginn der neunziger Jahre kam es zu einem rasanten Anstieg.
1995 wurden österreichweit 3250 künstliche Kniegelenke eingesetzt, im Jahre 2001 waren es bereits 9563 Gelenke.
Die Knietotalendoprothese wird sowohl zementiert als auch zementfrei implantiert. Österreichweit überwiegen die zementierten Kniegelenksprothesen.
In unserem Hause kann aufgrund der idealen Oberflächenbeschaffenheit der Prothese in den meisten Fällen auf eine Zementierung verzichtet werden.
Der operative Eingriff erfolgt bei degenerativen Erkrankungen des Kniegelenkes, welche häufig ihre Ursache in Fehlstellungen des Gelenks haben, aber auch nach schweren Verletzungen, oft viele Jahre nach dem Ereignis, bei rheumatischen Erkrankungen und bei umschriebenen Durchblutungsstörungen.
Symptome:
Die Kniegelenksarthrose manifestiert sich im mittleren bis höherem Lebensalter durch die oben genannten Ursachen. Die klassischen Symptome bei der Abnützung sind:
1. Schmerz: Vorerst nur am Beginn der Belastung, d.h. Schmerzen während der ersten Schritte nach dem Aufstehen. Schmerzen bei längerer Belastung und auch nach einer Belastung. Später auch Schmerzen in Ruhe.
2. Bewegungseinschränkung: Schmerzen beim Beugen und Strecken des Kniegelenkes, schließlich als sicherstes Zeichen ist das volle Durchstrecken des betroffenen Beines nicht mehr möglich.
3. Einschränkung der Gehleistung: Die schmerzfrei zurücklegbare Wegstrecke wird immer kürzer.
4. Verminderung der Lebensqualität.
Diagnostik:
Zur Beurteilung des Schweregrades der Gonarthrose genügt in der Regel ein normales Röntgenbild in zwei Ebenen, wobei das von vorne aufgenommene Bild im Stehen unter Belastung des betroffenen Beines gemacht werden sollte. Nur so ist die Breite und damit die wahre Dicke des Gelenksknorpels wirklich beurteilbar.
Die Beinachse wird in einer Ganzbeinaufnahme vermessen.
Spezialuntersuchungen wie Computertomografie oder Magnetresonanztomografie sind bei bestehender Arthrose nur in wenigen Ausnahmefällen notwendig.
Operation:
Auch beim künstlichen Kniegelenksersatz haben sich in den letzten Jahren die operativen Möglichkeiten, bedingt durch die hohe Frequenz der durchgeführten Eingriffe und die Verbesserung der Implantattechnologie immer weiter verbessert.
Die Operationszeit beträgt in etwa eine Stunde, der Eingriff wird in Blutsperre durchgeführt, so das der intraoperative Blutverlust meist gering ist. Die Operation erfolgt über einen 20 cm langen Längsschnitt an der Vorderseite des Kniegelenkes, die Gelenkskapsel und die Bänder des Gelenkes bleiben bis auf das vordere Kreuzband erhalten. Die beim gesunden Kniegelenk mit Knorpel überzogenen Gelenkflächen werden mit Hilfe von entsprechenden Schnittlehren entfernt. Bei der Totalendoprothese des Kniegelenkes handelt es sich um einen Oberflächenersatz. Die neue Oberfläche besteht aus Titan mit einer speziellen Beschichtung. Selbstverständlich wird bei diesem operativen Eingriff auch eine etwaige Achsenfehlstellung korrigiert. Die Gelenkskapsel wird wieder vernäht und das Wundgebiet mit Wunddrainagen für 2 bis 3 Tage versorgt, um das Wundsekret abzuleiten.
Implantate:
Unser häufigst verwendetes Knieprothesenmodell besteht aus Titan. Die Oberfläche ist mit einer keramikähnlichen Beschichtung gehärtet, die zum Knochen gerichtete Fläche ist mit kleinen Titankügelchen und mit Hydroxylapatit beschichtet. Diese Beschichtung fördert ein schnelles Einwachsen in den Knochen. Zwischen den 2 Komponenten für Oberschenkel und Unterschenkel befindet sich ein Kunstoffgleitlager. Die Haltbarkeit dieses Gleitlagers ist begrenzt, bei auftretenden Verschleißzeichen kann dieser Kunststoffteil durch einen Revisionseingriff gewechselt werden. In 90 bis 95 % hält die Kniegelenksprothese 10 Jahre und länger. In unserem Hause wird auch routinemäßig eine künstliche Kniescheibenoberfläche eingesetzt.
Postoperativer Verlauf:
Im Regelfall können die Patienten am 2. Tag nach der Operation das erste Mal aufstehen und das Bein voll belasten. Zum Wiedererlernen der Gangsicherheit und zur besseren Kontrolle des Bewegungsablaufes sollen vom Patienten die ersten 6 Wochen 2 Armstützkrücken beim Gehen verwendet werden.
Da das Kniegelenk ein sehr kompliziertes Gelenk ist, ist auch der Umgang mit dem künstlichen Gelenk nach der Operation schwieriger.
Eine konsequente Physiotherapie ist daher nach der Operation extrem wichtig, damit wieder ein ausreichendes Bewegungsausmaß erzielt werden kann.
Postoperativ ist auch mit immer wiedereinmal auftretenden Schmerzen in einem Zeitraum von bis zu 6 Monaten zu rechnen.
Eine jährliche Röntgenkontrolle ist sehr wichtig, weil ein Schaden am Kunststoffgleitlager dadurch rechtzeitig erkannt werden kann.
 
OP-Fotos:
 
Knieprothesenmodelle, links mit Kniescheibenersatz:
 

Quelle: www.lkh-badradkersburg.at

 

Künstliche Kniegelenksoperation