Hüftoperation
Das künstliche Hüftgelenk
Einleitung:
Der Ersatz des künstlichen Hüftgelenkes ist der häufigste große Eingriff am Stütz- und Bewegungsapparat. Dabei ist die Zahl der insgesamt eingesetzten Hüfttotalendoprothesen nach wie vor steigend (1995 wurden österreichweit 9.250 künstliche Hüftgelenke implantiert, im Jahre 2000 bereits 13.000). Prinzipiell besteht die Möglichkeit ein künstliches Gelenk zu zementieren oder durch eine entsprechende Oberflächenbearbeitung der Prothese auch unzementiert im Knochen zu verankern, wobei sich in Österreich der zementfreie Hüftgelenksersatz durchgesetzt hat. Der operative Eingriff erfolgt hauptsächlich bei der degenerativen Erkrankung des Hüftgelenkes (Coxarthrose), jedoch auch bei umschriebenen Durchblutungsstörungen (Hüftkopfnekrose), sowie bei gewissen Formen der Oberschenkelhalsfraktur.
Symptome:
Die Arthrose des Hüftgelenkes (Coxarthrose) manifestiert sich hauptsächlich im mittleren bis höheren Lebensalter, wobei bedingt durch extreme Sportausübung zunehmend auch junge Patienten mit fortgeschrittenen Abnützungen des Hüftgelenkes anzutreffen sind. Die klassischen Symptome bei der Abnützung des Hüftgelenkes sind:
1. Schmerz: Es handelt sich dabei um einen Schmerz insbesondere in der Leiste bzw. seitlich des Hüftgelenkes, von dort bis in das Kniegelenk ausstrahlend. Die Schmerzen sind in den Anfangsstadien hauptsächlich bei Belastung des betroffenen Beines zu verzeichnen, in späteren Stadien mit schwer fortgeschrittenen Abnützungen auch bereits in Ruhe (Nachtschmerz).
2. Bewegungseinschränkung: Mit der Zunahme der Abnützung des Gelenkes kommt es zu einer fortschreitenden Bewegungseinschränkung. Insbesondere bei Beugebewegungen im Hüftgelenk rotiert das betroffene Bein nach außen. Dem betroffenen Patienten gelingt es außerdem immer schwerer die Socken anzuziehen, bzw. die Schuhbänder zu binden.
3. Einschränkung der Gehleistung: Die Gehleistung ist insbesondere bei Gehen auf harten Böden, wie Asphalt, erschwert, da es dabei zu einer oft frühzeitigen Schmerzsymptomatik kommt Der Hüftkranke kann jedoch noch relativ lange und gut auf weichen Böden ohne wesentliche Schmerzen gehen. Weiters geben die Patienten fast immer an, dass im Gegensatz zum schmerzhaften Gehen, Rad fahren noch völlig schmerzfrei möglich ist.
Diagnostik:
Zur Beurteilung des Schweregrads der Arthrose des Hüftgelenkes genügt vorerst die Durchführung eines normalen Röntgenbildes der Hüfte in 2 Ebenen. In Zusammenhang mit der klinischen Untersuchung durch den Facharzt für Orthopädie, kann in den meisten Fällen bereits die Indikation zum eventuell anstehenden künstlichen Hüftgelenksersatz gestellt werden. In Ausnahmefällen sind Spezialuntersuchungen (Magnetresonanztomographie, Computertomographie) zielführend. Neben dem Röntgenbild entscheidet hauptsächlich die klinische Symptomatik (Schweregrad des Schmerzes, noch vorhandene Gehleistung, bzw. schon vorhandene Bewegungseinschränkung) über den Zeitpunkt des durchzuführenden Hüftgelenksersatzes.
Operation:
Die operativen Möglichkeiten beim künstlichen Hüftgelenksersatz haben sich in den letzten Jahren, bedingt durch die hohe Frequenz der durchgeführten Eingriffe und die Fortschritte in der Implantattechnologie immer weiter verbessert. Im Normalfall beträgt die Operationsdauer ca. 1 Stunde. Der Eingriff wird über einen ca. 20 cm langen Hautschnitt an der Außenseite des Oberschenkels durchgeführt, wobei im Rahmen des Zugangsweges zur Hüfte einige Muskel durchtrennt, bzw. vorübergehend abgelöst werden müssen. Nach Einsetzen der Prothese werden diese Muskel zumeist wieder an ihrer typischen Stelle vernäht und das Wundgebiet wird für 2 – 3 Tage mit 2 – 3 Wunddrainagen versorgt, um das postoperative Wundsekret zum Ableiten zu bringen.
Implantate:
Wie oben erwähnt, werden in Österreich überwiegend zementfreie Totalendoprothesen des Hüftgelenkes verwendet. Als Material bewährt hat sich insbesondere die Verwendung von Titan, einem Edelmetall, das besonders körperverträglich ist. Zum besseren Einwachsverhalten der Prothese wird die Oberfläche der Prothese aufgeraut bzw. mit einem speziellen Beschichtungsverfahren beschichtet. Das Prothesendesign ist so ausgerichtet, dass mit entsprechenden Instrumenten die Prothese passgenau in den Knochen eingepasst werden kann und bei einigermaßen guten Knochenverhältnissen die Prothese sofort belastbar ist, dass heißt, dass der operierte Patient nach 2 bzw. 3 Tagen das operierte Bein wieder belasten kann. Das größte Problem im Langzeitverlauf mit künstlichen Hüftgelenken war bis vor kurzem der Verschleiß der sich gegeneinander bewegenden Gleitpaarungen. Insbesondere die Verwendung von Kunststoff hat nach einigen Jahren gezeigt, dass es dort zu massiven Abriebphänomenen kommen kann, die begleitend auch die Knochensubstanz um die Prothese schädigen können. Seit einigen Jahren verwenden wir jetzt routinemäßig eine Keramik-Keramik-Gleitpaarung mit deutlich geringerem Verschleiß. Bei Verwendung dieser Gleitpaarung besteht berechtigte Hoffnung auf eine deutlich verlängerte Haltbarkeit dieser Implantatsysteme.
Abbildung 1
Postoperativer Verlauf:
Im Regelfall können die Patienten am 2. Tag nach der Operation das erste Mal aufstehen und das Bein auch voll belasten. Zur Absicherung der wiedervernähten Muskulatur, sollen vom Patienten die ersten 6 Wochen 2 Stützkrücken beim Gehen verwendet werden. Bedingt durch die oft vor der Operation schon geschwächte Muskulatur und auch den operativen Zugangsweg mit Durchtrennen bzw. Wiedervernähen einiger Muskeln, ist eine postoperative Rehabilitation unerlässlich. Diese Rehabilitation kann ambulant in Zusammenarbeit mit einem diplomierten Physiotherapeuten oder stationär im Rahmen eines Rehabilitationsaufenthaltes erfolgen.
Legende:
Abb. 1: Zementfreie Hüfttotalendoprothese aus einer Titanlegierung mit einer speziellen Oberflächenbeschichtung zur Optimierung des knöchernen Einwachsverhaltens. Die Gleitpaarung besteht aus einem Keramikkopf und einer Keramikschale. Das gesamte System besteht lediglich aus Titan und Keramik und ist kunststofffrei.
 
OP-Fotos:
 
Quelle: www.lkh-badradkersburg.at